Geschichte

1950 bis 1970 Zwischen Tradition und Moderne

1950
Eine Typhus-Epidemie erfasst 20 Patientinnen und fordert acht Todesopfer. Da am eigentlichen Isolierhaus Renovierungsarbeiten stattfinden, werden die Kranken in das Hildegard-Gebäude verlegt. Als die Renovierung des Hildegard-Gebäudes ansteht, erfolgt die Verlegung in das Isolierhaus.

1951
Direktor Laackman wird unter anderem wegen seiner Haltung während des Dritten Reiches zum Päpstlichen Geheimkämmerer ernannt.

1952
Mit der Einführung des Chlorpromazins beginnt das Zeitalter der Psychopharmaka. Diese Mittel verändern das Erscheinungsbild psychiatrischer Einrichtungen grundlegend, da spezielle Abteilungen für chronisch unruhige Patienten oftmals überflüssig werden.

1960
Bis in die 60er Jahre werden Gebäude und ihre Ausstattung modernisiert. Das Zusammenleben der Menschen folgt jedoch althergebrachten Konzepten.

1961
Das Bundessozialhilfegesetz begründet den individuellen Rechtsanspruch auf Hilfe und verpflichtet den Staat, die „Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen und zu erleichtern“.

1964
Die „Aktion Sorgenkind“ wird gegründet.

1965
Das Mutterhaus der Ordensfrauen kann verstorbene oder kranke Ordensschwestern, die in Tilbeck tätig waren, kaum noch ersetzen. Es fehlt der Nachwuchs und die Neuerungen der staatlichen Systeme fördern und finanzieren zunehmend den Einsatz weltlicher Kräfte. Die Zahl der Ordensfrauen in Tilbeck sinkt auf 67 Schwestern.
Im Oktober wird Pfarrer Ulms zum Direktor ernannt.

1968
Im Frühjahr tritt die erste weltliche Schwester ihren Dienst an.
Der ehemalige Direktor des Stifts, Prälat Laackman, stirbt am 1. Juni.
Ein Gutachten stellt fest, dass das Stift weder den gesundheits- und baupolizeilichen Vorschriften, noch den Anforderungen einer geordneten Krankenpflege entspricht. Mit verschiedenen Baumaßnahmen und besserer Ausstattung behebt man die Missstände.

1969
Dr. Friedrich Hillers übernimmt die ärztliche Leitung des Stifts und beginnt mit der Umsetzung der im Gutachten von 1968 ausgesprochenen Empfehlungen im therapeutischen Bereich. Neben der medikamentösen Behandlung legt er Wert auf Beschäftigungstherapie, Rhythmik und Heilpädagogik.

1970
Das Gesundheitsamt des Landkreises Münster will Dr. Hillers als Facharzt für Jugendpsychiatrie für eine nebenamtliche Tätigkeit gewinnen und weist darauf hin, dass durch die Sprechstunden der Kontakt zwischen Stift und der Bevölkerung der Umgebung hergestellt werden kann. Die neuen ärztlichen Konzepte werden zwar insbesondere von den jüngeren Schwestern positiv aufgenommen, doch es entstehen auch Konflikte, die im Spätsommer eskalieren. Das Bischöfliche Generalvikariat beendet daraufhin das Dienstverhältnis mit Dr. Hillers.