Geschichte

1932 bis 1945 NS-Ideologie und Zweiter Weltkrieg

1932
Priester Heinrich Rampelmann übernimmt die Leitung des Stifts und forciert eine Tilgung der Schulden.

1933
Mit der Machtergreifung Hitlers gewinnt die nationalsozialistische Ideologie mit Begriffen wie “Rassenhygiene” und “Erbgesundheitslehre” (Eugenik) immer mehr an Boden.

1934
Das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses” tritt in Kraft. Das menschenverachtende Gesetz schreibt vor, dass Träger angeblicher, genau festgelegter Erbkrankheiten bei den Gesundheitsämtern gemeldet werden müssen. So genannte Erbgesundheitsgerichte entscheiden dann über die Sterilisierung der Gemeldeten. Die katholische Kirche ergreift für die Betroffenen Partei und lehnt die Unfruchtbarmachung grundsätzlich ab. Dennoch werden 46 Mädchen und Frauen des Stiftes sterilisiert.

1939
Am 1. September beginnt der Zweite Weltkrieg mit dem deutschen Überfall auf Polen.

1940
Mitte Juni beginnt der Reichsinnenminister damit, auch in Westfalen Vordrucke zur Meldung der an Heil- und Pflegeanstalten versorgten Patienten zu versenden. Dies sollte angeblich der „Notwendigkeit planwirtschaftlicher Erfassung“ dienen. Der wahre Zweck lag jedoch in der systematischen Vernichtung “lebensunwerten Lebens”.

1941
Bis Ende August sind 462 der etwa 680 in Tilbeck betreuten Mädchen und Frauen den entsprechenden Stellen gemeldet. In seiner Predigt vom 3. August ruft der Träger des Stiftes, Bischof von Galen, zu passivem Widerstand auf und klagt in der Lambertikirche zu Münster die NS-“Euthanasie” öffentlich an.
Im Dezember 1941 verlangt die Provinzialverwaltung die Verlegung von 200 Frauen in die Provinzialheilanstalt Eickelborn. Widerwillig leitet der Direktor des Stifts die Verlegung von 150 Frauen in die Wege. Bis Kriegsende sterben 62 der dorthin überführten Frauen in Provinzialanstalten.

1943
Direktor Rampelmann stirbt am 28. Juli. Prälat Ernst Laackman wird zu seinem Nachfolger ernannt.

1945
Bis zum Ende des Krieges werden mindestens 17 vom Arbeitsamt zugeteilte Zwangsarbeiter auf dem Stiftsgelände beschäftigt. Heute sind 15 davon namentlich bekannt. Im Zuge der Entschädigungsbemühungen der Katholischen Kirche konnte ein polnischer Zwangsarbeiter, der im Stift beschäftigt war, ermittelt und über einen speziell hierfür errichteten Fonds entschädigt werden.